Schande über der Gottesstadt
Am Wochenende will das IOC Konsequenzen aus dem
Bestechungsskandal ziehen. Für die Mormonen-Metropole Salt Lake City
aber steht die Katastrophe schon fest
So die Berliner Morgenpost vom 22. Januar 1999. Was war
geschehen? Am 16. Juni 1995 war die Freude in Salt Lake City groß.
Beim dritten Versuch hatte Salt Lake City, die "Mormonen-Metropole",
in Budapest, endlich den Zuschlag für die Ausrichtung der XIX.
Olympischen Winterspiele, erhalten. Die Stadt hatte sich bereits für
1972 (Sapporo) und 1998 (Nagano) beworben. Bei der Abstimmung für
die Spiele von 1998, hatte man 1991 nur knapp gegen Nagano, mit 46
zu 42 Stimmen verloren. Für 2002 waren Östersund (Schweden), Sion
(Schweiz) und Quebec (Kanada), die Mitbewerber. Salt Lake City
erhielt den Zuschlag mit 54 zu 28 Stimmen. Ein historisches Novum
bei IOC Abstimmungen, denn Salt Lake City erhielt die notwendige
Mehrheit bereits im ersten Abstimmungsdurchgang. Die restlichen 24
Stimmen waren die vereinigten Stimmen der restlichen drei Bewerber.
Salt Lake City sah bereits vorher, laut so manchen Beobachter, wie
der sichere Sieger aus. Wenn es je eine Bewerbung gab, die beste
Erfolgsaussichten hatte, dann diese. Salt Lake City war für die
Ausrichtung der Winterspiele prädestiniert, der internationale
Flugplatz liegt nur sieben Kilometer von der Stadtmitte entfernt.
Ein neue Arena mit 21.000 Sitzplätzen bestand bereits, beste
Anbindung zur Autobahn mit direkten Zufahrten zu hervorragenden
Skigebieten. So schrieb z.B. Die Welt am 10.06.1995, "Salt
Lake City gilt als Favorit für Olympia 2002."
Laut der Berliner Morgenpost:
wurde der Präsident des Organisationskomitees Frank
Joklik, selbst tiefgläubiger Mormone, als Held gefeiert. Die «Salt
Lake Tribune» schrieb begeistert: «Mormonisches Durchhaltevermögen
hat sich wieder einmal ausgezahlt.»
Die Vergabe der Winterspiele 2002 löste in der Mormonenstadt
einen Bauboom aus. Allein die Grundstückspreise verdreifachten sich
in vier Jahren. Die Freude ist mittlerweile verflogen, denn Joklik
und dessen Stellvertreter Dave Johnson, sind mittlerweile von ihren
Ämtern zurückgetreten. Sie hatten zugegeben, Geschenke an IOC
Mitglieder gemacht zu haben, um sie "als Freunde zu
gewinnen." Anders ausgedrückt, sie bestachen hochrangige IOC
Mitglieder. Die Morgenpost weiter:
Täglich kommen Einzelheiten des größten Skandals in
der Geschichte der Olympischen Spiele ans Licht. Da soll Mitgliedern
des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bei der Vergabe der
Spiele für das Jahr 2002 die Entscheidung, für Salt Lake City zu
stimmen, mit Bargeld, Stipendien für Universitäten, kostenlosen
Arztbesuchen und wertvollen Geschenken erleichtert worden sein. So
habe der einflußreiche Präsident des Olympischen Komitees Afrikas,
Jean-Paul Ganga aus Kongo, unter der Hand 70 000 Dollar
bekommen. Bei einem Grundstücksgeschäft in der designierten
Olympia-Stadt habe er zudem, so die «Salt Lake Tribune», «ohne einen
Finger zu rühren, einen Gewinn von 60 000 Dollar gemacht.» Die
Liste der Geschenke ist lang und reicht von Schönheitsoperationen
bis zu zwei Gewehren im Wert von 2000 Dollar für Antonio Samaranch,
den Präsidenten des IOC.
Über die Bedeutung, die dieser Skandal, ausgerechnet für Salt
Lake City, hat, schreibt man weiter:
Doch was für die meisten Länder und Städte höchstens
ein peinlicher Skandal wäre, ist für die Stadt am Fuße der
gewaltigen Wasatch-Berge eine Katastrophe und Schande. Denn die
Olympiastadt des Jahres 2002 ist die Mormonen-Welthauptstadt. Diese
amerikanischste aller Religionen mit zehn Millionen Anhängern fußt
auf einem strengen Moral- und Ehrenkodex. Danach ist nicht nur Lügen
und Betrügen Sünde, sondern auch Trinken, Rauchen und Spielen.
Kinder werden zu absoluter Ehrlichkeit und Gottesfürchtigkeit
erzogen. ... Mit dem Olympia-Skandal hat die 1,2-Millionen-Stadt
ihre Unschuld verloren. Lokale Zeitungen und Fernsehstationen, alle
in mormonischem Besitz, sprechen vom «Chicago der Salzwüste» und
fragen: «Wo sitzt die Mafia?» Die Antwort: «Im Olympischen
Organisationskomitee von Salt Lake City (SLOC).»
Fast alle beteiligten Personen aus Utah sind Mormonen. Inzwischen
beschäftigten sich vier Untersuchungskommissionen mit diesem
Skandal. Neben dem IOC und der Ethik-Kommission des SLOC, ist das
Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) und das
US-Justizministerium mit dem FBI aktiv geworden. So auch das
amerikanische Finanzamt (IRS), da zusätzlich noch ein Verdacht auf
Steuerhinterziehung durch die Stadt besteht.
Anfänglich war die Gefahr groß, dass:
Neben der Schande, die über die heilige Stadt der
Mormonen gekommen ist und sie in den Augen vieler Gläubiger entweiht
hat, hat Salt Lake City noch ein anderes Problem: Der Skandal droht
die Stadt ins wirtschaftliche Chaos zu stürzen. Einige der
Top-Sponsoren drohen damit, sich zurückzuziehen. Ein
Coca-Cola-Sprecher: «Alles, was das positive Image der Olympischen
Spiele beeinträchtigt, schadet uns.» Bei United Parcel Service denkt
man ähnlich: «Ethik und Integrität der Spiele sind das A und O für
uns.» David D'Allesandro, Präsident der John Hancock Mutual Life
Insurance, einer der größten US-Versicherungen, erklärt: «Es kann
100 Jahre dauern, bis man sich einen guten Namen aufgebaut hat und
oft nur 30 Tage, um ihn wieder zu verlieren.» (Morgenpost, ebd.)
Tatsächlich hat sich der Sponsor und Pharmaunternehmen Johnson
& Johnson, aus seinem $30 Mill. Sponsorvertrag zurückgezogen.
zurückgezogen.
Den Stein ins Rollen hatte eine enttäuschte Sekretärin des SLOC
gebracht. Sie hatte einem örtlichen Fernsehsender, KTVX, belastendes
Material zugespielt, darunter die Kopie eines Briefes. Der
Vizepräsident des SLOC Organisationskomitees hatte an die Studentin
Sonia Essomba, aus Kamerun, geschrieben. Ihr Vater René war der
Generalsekretär der Vereinigung des afrikanischen Olympischen
Komitees. In dem Brief hieß es, ihre bisherige Studienförderung
würde auslaufen. Der letzte Scheck über, 10.114 Dollar, lag
anbei.
Das endgültige Aus kam für Salt Lake City, als Marc Hodler,
IOC-Mitglied aus der Schweiz und enger Vertrauter des
IOC-Präsidenten Samaranch, an die Öffentlichkeit ging. Hodler zeigte
auf, dass Salt Lake City kein Einzelfall sei, andere Olympiastädte,
darunter Nagano, Atlanta und Sydney, hätten ihre jeweiligen
Zuschläge ebenfalls mit unlauteren Mitteln erworben.
Als seinerzeit Nagano1998 den Zuschlag bekam, gerieten Tom Welch
und dessen Stellvertreter David Johnson offensichtlich in Panik.
Mittels "Stimmenkauf" sollte die Ausrichtung für das Jahr 2002
gesichert werden. Das Bewerbungskomitee ging dabei nicht gerade
zimperlich um, als alle Register gezogen wurde. Die Wochenzeitung
Die Zeit wird dann deutlich, wenn sie schreibt:
Sie (hatten) ... Gefälligkeiten des
Bewerbungskomitees von Salt Lake City angenommen - nicht nur die
(erlaubten) Geschenke im Wert von 150 Dollar. Halten die
Enthüllungen juristischer Prüfung stand, so hat ein Südamerikaner
ein Studienstipendium für seine Stieftochter erhalten und der Sohn
eines Nordafrikaners Geld für den Besuch einer amerikanischen
Hochschule; ein Kongolese hat 60.000 Dollar an einem schnellen
Immobiliengeschäft nahe den olympischen Skipisten verdient, außerdem
50.000 Dollar für leidende Kinder in seinem Land und 70.000 Dollar
für sich selber erhalten; einem Russen wurde die Knieoperation
spendiert. 632.000 Dollar sollen die Olympiaorganisatoren für diese
Art des Lobbyismus ausgegeben haben.
Die Welt vom 11.12.1999:
Sonia Essomba, Tochter des im August verstorbenen
Rene Essomba, soll 108 350 Dollar an Schul- und Wohngeld bekommen
haben. Welch schickte sogar seine Sekretärin nach Washington, um ihr
beim Umzug zu helfen. Auch für insgesamt 22 Übernachtungen der
Essomba-Familie in einem Pariser Hotel zu je 300 Dollar pro Nacht
kam das Bewerbungskomitee auf. Essomba kassierte zusätzlich 60 000
Dollar Bargeld, eine Kleinigkeit, verglichen mit den 250 000 Dollar,
die Jean-Claude Ganga (Republik Kongo) eingesteckt haben soll. Ganga
wurde in Salt Lake City gegen Hepatitis behandelt, seine Frau durfte
sich einer Schönheitsoperation unterziehen und seine Schwiegermutter
einer komplizierten Knieoperation.
Tom Welch, der erste Vorsitzende des örtlichen Bewerbungskomitees
und späterer Präsident des SLOC, war der erste Held, der lange
gefeiert wurde. Ihm war es hauptsächlich zu verdanken, dass Salt
Lake City den Zuschlag bekommen hatte. Welch hatte jedoch eine ganze
Reihe von IOC-Mitgliedern großzügig mit finanziellen Zuwendungen
bedacht, die er selbst als "humanitäre Hilfe" bezeichnet. Obiger
Joklik wurde 1997 sein Nachfolger, nachdem Welch am 29.07.1997 von
seinem Amt zurücktrat. Welch behielt jedoch noch einen
"Beratervertrag" in Höhe von monatlich $10.000. Welch, ehemaliger
Bischof einer Mormonengemeinde, trat zurück, weil er eine Woche
vorher des mehrfachen tätlichen Angriffs auf seine Ehefrau
beschuldigt wurde. Welch gab weiterhin zu, eine außereheliche
Beziehung geführt zu haben, die nicht "rein platonischer Art"
gewesen sei (Salt Lake Tribune vom 22.07.; 30.07. und
08.08.1997). Joklik und der Vize-Präsident des SLOC, Dave
Johnson, traten ebenfalls von ihren Ämtern, am 08.01.1999, zurück..
Jolik erklärte die Bestechungen mit den Sätzen, dass sie unternommen
wurden "um Freunde für die Abstimmung zu gewinnen." (SLOC, Press
Release, vom 08.01.1999)
Wie die 15.000 Seiten Korrespondenz des Bewerbungskomitees
zeigen, war Welch durchaus bereit zur Erlangung seiner Ziele,
kaltschnäuzig zu lügen. So schrieb er z.B. an das IOC Mitglied Kevan
Gosper aus Australien, "aus meiner Sicht, werden Sie auf dem
Podium stehen", gemeint war die Position als zukünftiger IOC
Präsident. Nur drei Tage später schrieb er an den IOC
Präsidentschaftsrivalen von Gosper, Richard Pound, ebenfalls "aus
meiner Sicht, werden Sie auf dem Podium stehen." (Salt Lake
Tribune, 16.12.00) Am 18.12.1998 wurde die "Board Of
Ethics Of The Salt Lake Organizing Committee For The Olympic Winter
Games of 2002", eine Ethikkomission beauftragt, Licht in das
Dunkel des Bestechungsskandals zu bringen. Dieser Bericht wurde am
09.02.1999 vorgelegt. Aus dem Bericht konnten viele der
"Gefälligkeiten", des Bewerbungskomitees belegt werden, die
Machenschaften von Welch und Johnson wurden offenbar.
Eine Übersicht über die "Gefälligkeiten" aus Salt Lake City. Wer
erhielt was?
Aus dem 300-seitigen Ethikbericht des SLOC kann man entnehmen,
welche IOC-Mitglieder, welche Form von Zuwendungen erhalten
haben.
IOC-Mitglieder aus mindestens 23 Nationen, haben mehr wie
$1.3 Mill., in den verschiedensten Formen von Zuwendungen, aus Salt
Lake City, erhalten.
KOREA: Un Yong Kims (IOC Vizepräsident) Sohn erhielt ein
Gehalt in Höhe von $45.000, für eine Anstellung in der Firma des
Geschäftsmannes aus Salt Lake City, David Simmons. In dessen
Firma Keystone Communication. Kims Tochter erhält $5.000 für
ein Gastspiel mit dem Utah Symphonie Orchester, nur drei Monate vor
der Abstimmung für die Spiele von 2002. Kim sorgte dafür, das die
Russin Ekaterina Soukhorado, Studiengebühren in Höhe von $15.000
bezahlt bekam.
KONGO: Jeann-Claude Gangas Familie erhielt mehr wie
$250.000, inkl. $115,000 in Reisekostenerstattungen, beginnend im
Jahre 1990, eine direkte Geldzahlung in Höhe von $70.010 und $17.172
für die Übernahme von medizinischen Kosten. Zugekommen sind Ganga
ebenfalls $60,000 durch eine Grundstückstransaktion. Das Komitee
bezahlte Ganga und seiner Familie mehrere Reisen nach Utah. Ganga
wurde auf Hepatitis behandelt, dessen Schwiegermutter erhielt eine
neue Kniescheibe, seiner Frau wurden die Kosten für eine
Schönheitsoperation abgenommen.
USA: Alfredo La Mont, der ehemalige Direktor für
internationale Beziehungen des USOC, unterstütze Tom Welch, Chef des
SLC Bewerbungskomitees, in dessen Transaktionen mit den IOC
Mitgliedern der lateinamerikanischen Länder. La Mont erhielt $25.714
als "Berater" für Welch und weitere $18.185 für ein weiteres Konto,
von dem aus monatlich $3.000 auf das Konto des IOC Mitgliedes Austin
Sealy (Barbados), überwiesen wurden.
SUDAN: Drei sudanesische Athleten erhielten eine
Zuweindung in Höhe von $40.000, um für die 1996 Olympiade trainieren
zu können. Zuhair Gadir, der Sohn des sudanesischen IOC-Mitglieds
Zein El Abdin Mohamed Ahmed Abdel Gadir, erhielt $17.000. Nur einige
Wochen vor der Budapester Abstimmung erhielt Abdel Gadir $7.000 für
eine nichtexistierende Tochter. "Berater" Mahmoud El Farnawani
wurden $148.260 bezahlt, Muttaleb Ahmad, Olympischer
Gebietsvorsitzender für Asien, erhielt $62.400 um die
Nordafrikanischen IOC Mitglieder, und die des Mittleren Ostens, zu
beeinflussen.
FINLAND: Pirjo Häggmans Ehemann erhielt $33.750. Welch
arrangierte es, dass ihr Ehemann einen Beratervertrag bei der Firma
Great Basin Engineering, Inc., in Ogden, Utah, erhielt. Welch und
Johnson gaben an, dass dieser auch einen Bericht für das
Bewerbungskomitee geschrieben hat. Beide gaben an, ihn jedoch nie
gelesen zu haben, den Inhalt daher nicht kennen würden. Bis zum
heutigen Tag ist kein Bericht aufzufinden, weder in Salt Lake City,
noch bei Great Basin Engineering, in Ogden.
SAMOA: Seiuli Paul Wallwork erhielt 1991 für seine
Ehefrau, $30.000, von Tom Welch.
SWASILAND: David Sikhulumis Sohn erhielt zwischen 1991 und
1995, $111.389.
MONGOLEI: Shagdarjew Magwans Sohn erhielt eine einjährige
Praktikumsstelle bei einer Bank (First Security), plus einer
Zuwendung in Höhe von $6,554.
EKUADOR: Agustin Arroyos 44-jährige Tochter, erhielt ein
"Stipendium" in Höhe von $23.000, obwohl sie niemals Studentin war.
Die Arroyo Familie ließ sich zwei Wochen in 1994, bei einem
Familienurlaub im nahegelegenen Park City, aushalten. Gesamtkosten:
$10.000.
KAMERUN: René Essombas Tochter wurden die
Studiengebühren der American University in Washington, in Höhe von
$108.350 bezahlt. Außerdem erhielt sie weitere $60.000 kurz vor der
Budapester Abstimmung.
LIBYEN: Die Studiengebühren des Sohnes, von IOC Mitglied
Bashir Mohamed Attarabulsi, wurden übernommen. Höhe: $97.275.
MALI: Weitere $97.000 an IOC Mitglied Lamine Keita.
Bezahlt wurden Unterkunft, Lebenshaltungskosten, Bücher, und
insbesondere Unterrichtsgeld und Flugtickets für dessen Sohn.
ALGERIEN: Ein Raouf Scally erhielt von 1993 bis 1996
$14.500. Aus den Unterlagen ist jedoch nicht mehr erkennbar wofür.
Die Kommission vermutet, dass er aus Marokko stammt und mit dem
algerischen IOC Mitglied Mohamed Zerguini, verwandt ist.
KENIA: Das IOC Mitglied Charles Mukora erhielt $34.650,
ein Teil davon für die Sportförderung Kenias.
CHILE: Weitere $20.050 gingen an IOC Mitglied Sergio
Santander-Fantini, aus Chile, ebenfalls ohne genauere Angaben
wofür.
KOSTENLOSES SHOPPING: IOC Mitglieder und deren
Familienmitglieder durften ihre Einkäufe vom Bewerbungskomitee
bezahlen lassen. (Sämtliche Angaben können dem offiziellen
Bericht des "Board Of Ethics Of The Salt Lake Organizing Committee
For The Olympic Winter Games of 2002", entnommen werden. Zu finden
unter http://www.sltrib.com/Specials/olympics2002/SLOCReport/
, Stand 30.01.2002)
Skurril wurde das Ganze schon, wenn SLOC Angestellter, Van
Alford, zwei besuchende IOC Mitglieder zu einem Urologen in Salt
Lake City fuhr. Einer, um eine Viagrarezept zu erhalten. Das IOC
Mitglied gab anschließed Alford $1.000, um in Salt Lake City die
Viagratabletten zu kaufen. Dies wären umgerechnet etwa 100
Tabletten. Ein Abrechnungsposten beinhaltet auch den Kauf und
Schenkung eines Vibrators für ein IOC Mitglied, über $74.27, der
jedoch nicht angeklagt worden ist. Der Vibratorkauf fällt auch
unterhalb der erlaubten $150 Schenkungshöhe, nach den Statuten des
IOC. (Salt Lake Tribune, vom 30.09.2000)
Am 26.05.2000 veröffentlichte das SLOC dann schließlich auch das
sog."Gelddokument." Lange Zeit hatte man sich geweigert
dieses herauszugeben. Dieses Dossier beinhaltet Kurzinformation zu
einzelnen IOC Mitgliedern in Stichpunkten. So findet sich
gelegentlich das Wort "geld" (sic), hinter dem Namen von
einigen IOC Mitgliedern, so z.B. Essomba, Keita, Ganga, die ja
allesamt beträchtliche Geldsummen erhalten haben. Es ist jedoch
nicht feststellbar, ob dies eine Info über bezahlte Geldbeträge,
oder evtl. zu zahlende Geldsummen, ist. "Geld" befindet sich
nämlich bei zwei weiteren Namen, denen keine unlauteren Zuweisungen
nachgewiesen werden konnte. Wer die Liste erstellt hat wird wohl
unbekannt bleiben. Zu vermuten ist, dass es evtl. Vizepräsident
Johnson war. Mit "Geld" könnte dann ein Codewort für
Bestechungsgelder gewesen sein; Johnson war in früheren Jahren
Missionar der Kirche und hatte auch in Belgien und Norwegen gelebt.
In Belgien (flämisch), hat das Dossier-"Geld", die gleiche
Bedeutung, Aussprache und Schreibweise, wie in der deutschen
Sprache, nämlich Geld. Der Inhalt des "Gelddokuments" ist
hier zu finden:
http://www.sltrib.com/2000/may/05272000/utah/52703.htm
, (Stand 30.01.2002).
Laut Salt Lake Tribune vom 18.12.2000, hatten die
mormonischen Bittsteller beim britischen Königshaus keinen großen
Erfolg. Der Versuch das "bid book", ein in einer Satteltasche
zu überreichendes Bewerberbuch mit Informationen über das SLOC und
Salt Lake City, scheiterte kläglich. IOC-Mitglied, Prinzessin Anne,
selbst ehemalige Teilnehmerin der olympischen Spiele, empfing die
Mormonen nicht. "Ich bedaure, es ist nicht möglich, dass sie der
Prinzessin ihr Bewerberbuch persönlich überreichen können," sagte
ihr Privatsekretär, "aber sie können es am Seiteneingang des
Buckingham Palace abgeben." Nach der Tribune das "ultimativ,
demütigendste Erlebnis."
Am 20.7.2000 wurde verkündet, dass Welch und Johnson sich in 15
Anklagepunkten vor Gericht verantworten müssen. Jeder Anklagepunkt
kann bei einer Verurteilung zu 5 Jahren Gefängnis und jeweils
$250.000 Strafe geahndet werden. Beide lehnten ein Geständnis und
dem Angebot auf Strafminderung ab, trotz dem Drängen des neu
berufenen SLOC Präsidenten Mitt Romney und dem Senator des
Bundestaates Utah, Orrin Hatch (Salt Lake Tribune,
21.07.2000). Millerweile ist die Anklageschrift ergangen, der
Verhandlungsbeginn soll der 01.07.2001 sein. Die Verhandlung soll
nicht länger wie drei Monate dauern. (Anklageschrift zu finden unter
http://www.sltrib.com/Specials/2002/Indictment/olyindictment.htm
, Stand 04.01.2000)
Evtl. hätten sich Welch und Johnson besser auf ihren Glauben,
Beten und Fasten verlassen sollen, anstatt auf Geldzahlungen und
anderen Gefälligkeiten.
Die Spiele, die Mormonen und die Kirche
Die Welt schrieb am 29.01.1999:
Heute würden mindestens die Hälfte aller Einwohner
die Spiele am liebsten zurückgeben", behauptet Chris Smart,
Chefredakteur der lokalen Wochenzeitung "City Weekly" und liegt
damit auf einer Linie mit Stadtratsmitglied Deeda Seed, die als eine
der ersten den Rücktritt der für den Skandal Verantwortlichen
forderte. "Dies ist mit Abstand das größte Debakel in der Geschichte
der Stadt. Wir hätten uns schon viel früher gegen die da oben wehren
müssen." ... Erst Anfang dieser Woche kam ans Licht, daß 1991 auch
noch insgesamt 500 000 Dollar aus dem Steuersäckel der Stadt an das
Komitee geflossen sein sollen, das sich für die Bewerbung von Salt
Lake City einsetzte und schlußendlich für jene Schlagzeile in der
"New York Times" sorgte, die die Einwohner noch heute verfolgt:
"Salt Lake City - Tal der Ahnungslosen oder Schande einer ganzen
Nation" ... Daß jetzt Ehrlichkeit und Integrität - zwei der
elementaren Grundlagen der Mormonen-Bibel - auf der Strecke blieben,
liegt den Kirchenoberen nun ziemlich schwer im Magen.
Die Kirche verkündet über ihre eigene Website per
Presseerklärung, dass sie vor der Vergabe der Winterspiele an Salt
Lake City, "eine neutrale Position" zur Frage, "ob die
Spiele nach Salt Lake City kommen sollten", ein. Da das
Bewerbungskomitee um Spenden in der Stadt warb, hat die Kirche über
kircheneigene Firmen, "in den 11 Jahren zwischen 1985 und
1995" $210.938 "gegeben." Kein Geld davon stammte aus den
"Spenden der Kirchenmitglieder."
Seitdem die Spiele vergeben worden sind, hat Kirchenpräsident
Gordon B. Hinckley gesagt, dass die Kirche ihren Teil ... dazu
beitragen wird, indem man ein "guter Gastgeber" sein wird.
Seitdem hat die Kirche auf einige spezifische Ersuchen, um
Unterstützung des Salt Lake Organisations Komitees, positiv
reagiert. Diese beinhalten:
Einen Brief an die Kirchenmitglieder der die
Notwendigkeit von Tausenden von olympischen Freiwilligen ...
Dieser Brief wurde in den Versammlungen des gesamten Bundesstaates
verlesen ... Die zeitweilige Überlassung eines Grundstückes
... um als Platz für die abendlichen Siegerehrungen (engl.
Medals Plaza) dienen zu können ... und einer Spende, um
dessen Erschließung zu sichern. Diese Schenkung hat dem
Olympischen Organisationskomitee von Salt Lake City ungefähr $5
Millionen eingespart. Der Vereinbarung zwei Parzellen
Land in Park City benutzen zu können, die im Kirchenbesitz sind
... Ein Geschenk von 16 Acres (1 acre = 4047 qm, mein Zusatz)
an die Utah Department of Transportation, um Zugang zum Winter
Sport Park, von der Autobahn 224, ... südlich der Kimball Kreuzung,
Park City, zu schaffen ... als Teil des offiziellen Kulturprogramms,
den Tabernakel Chor, an drei Aufführungen auf dem
Tempelplatz, auftreten zu lassen ... (Presseerklärung auf der
kircheneigenen Website unter http://www.lds.org/media2/helping/0,6389,246-1,FF.html
, meine Herv., Stand 30.01.2002)
Der oben erwähnte Brief an die Kirchenmitglieder, wurde am
01.11.1988, also kurze Zeit vor dem Bekanntwerden des Skandals, an
alle Gemeinden in Utah, an die jeweiligen örtlichen Kirchenführer
geschickt, mit der Aufforderung, diesen während eines sonntäglichen
Gottesdienstes, zu verlesen. Im Schreiben, unterschrieben von der
Ersten Präsidentschaft, wird erwähnt, dass die "Heiligen
der Letzten Tage einen wohlverdienten Ruf haben, Dienst am
Gemeinwesen zu leisten." Insgesamt würden 32.000 Freiwillige
gesucht. Freiwillige sollten sich
"direkt beim Olympischen Organisationskomitee von
Salt Lake City als Privatpersonen melden. Solch freiwilliger Dienst
ist eine Sache der freien Entscheidung des Einzelnen. Die Kirche
unterstützt die Anstrengungen von Utah, die Winterspiele von 2002,
in dieser historischen Aufgabe, erfolgreich und denkwürdig ... zu
machen ... (Zu finden auf der kircheneigenen Website unter http://www.lds.org/media2/library/display/0,6021,246-1-344-1,FF.html
, Stand 30.01.2002)
Am 26.10.2000 meldete die kircheneigene Deseret News dann
plötzlich, dass die Kirche ihr eigenes Freiwilligen Programm für
die Spiele einführen wird. Das SLOC hat offensichtlich
Schwierigkeiten genügend freiwillige Helfen zu bekommen:
scheint es, dass die Kirche ihre Anstrengungen, die
Mitglieder zu involvieren, steigert . Offizielle ... versichern,
dass die Kirche mit dem Olympischen Organisationskomitee von Salt
Lake City kooperiert - anstatt zu konkurrieren ... Unsere
Freiwilligen werden Teilzeit-Freiwillige sein, ihre Vollzeit. ...
SLOC-Präsident Mitt Romney sagte: "... der Himmel weiß, das wir mehr
Freiwillige brauchen." ... Kirchenoffizielle haben gesagt, dass
andere olympische Unterstützungsstrategien noch in der Ausarbeitung
sind und lehnten es ab, in der Öffentlichkeit darüber zu reden. Dies
änderte sich jedoch Anfang diesen Monats, als die Website der Kirche
über eine Sektion zur Information von Journalisten, die über die
2002 Spiele berichten, informierte. ... Die olympischen Führer haben
über Monate hinweg nach Freiwilligen gesucht, jedoch haben einige
Anwohner ihr Entsetzen über eine Vollzeitverpflichtung über 2 1/1
Wochen im Februar 2002, geäußert. ... Kirchenpräsident Gordon B.
Hinckley hat zu einigen Anlässen gesagt, dass die Kirche
irgendeine Art von "phantastischen Werk" (engl.
extravaganza), für die Besucher der Olympiade, im
Konferenzentrum ausrichten wird, obwohl keine Einzelheiten bisher
veröffentlicht wurden. (meine Herv.)
Weiter wird berichtet, dass diese kulturellen Gaben, als Geschenk
an das Gemeinwesen, zu verstehen sei. Die Missionsarbeit solle
während der Olympiade nicht verstärkt werden. So hat sich Hinckley
auch während einer Pressekonferenz im Juni geäußert.
Es scheint schon fast so, dass Die Welt bereits am
29.01.1999, in prophetischer Fernsicht sah, wie die Tempelzinnen des
Salt Lake City Tempels, auf dem Tempelplatz, trotz alledem in die
Welt erstrahlen werden, schrieb sie doch:
Vom ganzen Trubel völlig unbeeindruckt, ragen derweil
die Türme des "Temple Square" stolz und majestätisch in den
Nachthimmel von Salt Lake City. Hier, in der Weltzentrale der
Mormonen, wo nach deren Glauben Jesus Christus nach seiner
Wiederkehr auf die Erde das Ende der Menschheit verkünden wird,
herrscht schon heute Weltuntergangsstimmung. Mit aller Macht und
nach Lage der Dinge wahrscheinlich auch mit unlauteren Mitteln
hatten die mächtigen Kirchenfürsten das olympische Projekt
unterstützt. Daß jetzt Ehrlichkeit und Integrität - zwei der
elementaren Grundlagen der Mormonen-Bibel - auf der Strecke blieben,
liegt den Kirchenoberen nun ziemlich schwer im Magen.
Stellt sich doch nun heraus, dass die Überlassung des Medals
Plaza, dem Ort der allabendlichen Siegerehrungen und damit
übertragen in die ganze Welt, im Hintergrund den angeleuchteten
Tempel der Mormonen zu sehen bekommen werden. Ob sie wollen oder
nicht. Der neue Bürgermeister von Salt Lake City, Rocky
Anderson ist darüber nicht unbedingt begeistert. Er sieht es
als
"Herausforderung an, die Menschen dazuzukriegen, dass
sie über die Kirche hinweg sehen, um die Stadt zu sehen" ...
Anderson ... als Mormone erzogen, jedoch kein Mitglied mehr ...
wurde 1999 gewählt, um eine Stadt zu führen, wo der
nichtmormonische Bevölkerungsanteil auf 52% angewachsen ist,
im Bundesstaat, wo noch 70% Mormonen sind. ... Ted Wilson, der
Bürgermeister von Salt Lake City von 1975 bis 1985 war ... der zum
Mormonismus als Erwachsener konvertierte, sagte Kirchenpräsident
Hinckley wäre "ein toller Öffentlichkeitsarbeit Typ"
(engl. super PR guy), der wüsste welche Gelegenheit die Spiele
darstellten. "Unter Gordon B. Hinckley ist die Kirche
außerordentlich Imagebewusst," sagte er. "Sie mögen das abstreiten,
aber es ist wahr." Und die Medals Plaza neben dem Tempelplatz zu
haben, sagte Wilson, "wird in den Kameras gut herüber kommen. Die
Kirche wird in jeder Kameraeinstellung zu sehen sein. (Salt Lake
Tribune vom 26.12.2000, meine Herv.)
Utah wird noch eine Menge an Öffentlichkeitsarbeit
bewerkstelligen müssen. Der Utah Travel Council hat die PR-Firma
Hill and Knowlton engagiert, um den Tourismus in Utah anzukurbeln.
Hill an Knowlton bekommen $600.000 für einen Vertrag der bis Februar
2002 läuft. Hill und Knowlton sehen insbesondere Westeuropa als
Utahs neues Zielgebiet um neue Touristen zu werben. Lediglich 4% der
Besucher von Utah kommen außerhalb der USA. Umfragen hatten ergeben,
dass nur 8% befragter Europäer wissen, dass Utah ein Bundesstaat der
USA ist. Forscher der University of Utah und Vrije Universität von
Amsterdam, hatten 2.563 Europäer per Telephon in Frankreich,
Deutschland, Italien, den Niederlanden und Großbritannien befragt.
Die Studie wurden einige Monate nach Beginn des Olympiaskandals
erstellt, soll heißen, selbst der Skandal hat nicht viel dazu
beigetragen, dass Utah in das Bewusstsein der Europäer eingedrungen
ist (siehe Salt Lake Tribune vom 21.12.2000).
|
Die Chronologie des Skandals |
|
|
16.06.1995 |
Salt Lake City
erhält den Zuschlag über die Ausrichtung der XIX Winterolympiade
2002. |
29.07.1997 |
SLOC Präsident Welch
tritt von seinem Amt zurück um "seine Familie zu schützen." Welch
wurde eine Woche vorher beschuldigt, seine Ehefrau mehrfach
misshandelt zu haben. |
24.11.1998 |
Der Fernsehsender
KTVX meldet, dass das SLC Bewerbungskomitee, Studiengebühren einer
Tochter, eines IOC Mitgliedes (Kamerun), bezahlt hat. Es handelt
sich um die American University, Washington. |
25.11.1998 |
SLOC Vorsitzender,
Bob Garff, streitet Bestechungen ab und redet von "humanitärer
Hilfe." |
30.11.1998 |
SLOC Präsident Frank
Joklik, beschreibt die Zahlungen an afrikanische IOC Mitglieder als
"humanitäre Hilfe." |
08.12.1998 |
Das SLOC erklärt,
dass sechs Verwandte von IOC Mitgliedern unter den dreizehn Personen
sind, die fast $400.000 an "finanzieller Unterstützung vom SLC
Bewerbungskomitee erhalten haben, weigert sich jedoch Namen zu
nennen. |
10.12.1998 |
IOC Präsident
Samaranch setzt eine Untersuchungsausschuss ein. |
12.12.1998 |
Schweizer IOC
Mitglied, Marc Hodler, benennt die Zahlungen aus SLC als
"Bestechung." |
14.12.1998 |
Mike Leavitt,
Gouverneur von Utah, verlangt danach, dass die SLOC Ethikkomission,
diese Bestechungsvorwürfe untersuchen soll. |
16.12.1998 |
SLC Bürgermeisterin,
Deedee Corradini bestätigt, dass die Stadt den Sohn eines IOC
Mitgliedes als Praktikanten angestellt hat und ein weitere
Verwandtschaft, möglicherweise in einer staatlichen Agentur,
beschäftigt wurde. Die Steuererklärungen des SLOC und des
Bewerbungskomitees weisen keine erfolgten "Studiengebühren"
aus. |
22.12.1998 |
Der ehemalige
US-Senator George Mitchell wird als Vorsitzender eines
Untersuchungskomitees des USOCs eingesetzt, um die die
Vorgehensweise zu untersuchen, wie US-Städte Bewerbungskandidaten
als Ausrichtungsorte der olympischen Spiele werden. |
23.12.1998 |
Das
US-Justizministerium und der FBI beginnen mit ihren
Untersuchungen. |
08.01.1999 |
SLOC Präsident
Joklik tritt mit seinem Stellvertreter, Dave Johnson, zurück. Joklik
offenbart Geldzuweisungen die das Bewerbungskomitee an
IOC-Mitglieder gezahlt hat. |
10.01.1999
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Tom Welch, Präsident
des Bewerbungskomitees beschreibt, dass die anderen
Komiteemitglieder von der Einflussnahme auf IOC Mitglieder gewusst
haben, oder hätten wissen müssen. Er besteht darauf, nichts
Unrechtes getan zu haben, sondern lediglich Geschäfte unter Freunden
der "olympischen Familie" gemacht zu haben. |
14.01.1999 |
Alfredo La Mont,
Direktor für internationale Beziehungen des USOC, tritt zurück,
nachdem er "eine Geschäftsbeziehung" mit Welch nicht angegeben hat.
La Mont hatte Welch mit Informationen über lateinamerikanische IOC
Mitglieder versorgt. |
15.01.1999 |
Die Kirche Jesu
Christi d. HLT gibt bekannt, dass sie über ein kircheneigenes
Unternehmen, Bonneville Communications, dem Bewerbungskomitee
zwischen 1985 und 1995, $211.000 an Geld überwiesen hat. |
19.01.1999 |
Finnisches IOC
Mitglied Pirjo Häggman tritt zurück. Ihr früherer Ehemann hatte mit
dem Bewerbungskomitee einen fragwürdigen Beratervertrag. |
22.01.1999 |
IOC Mitglied Bashir
Mohamed Attarabulsi (Libyen) tritt zurück. Studiengebühren des
Sohnes wurden übernommen, inkl. weiterer
"Lebenshaltungskosten." |
24.01.1999 |
Das IOC
Exekutivkomitee empfiehlt den Auschluß von sechs IOC-Mitgliedern,
die Zuwendungen aus Utah erhalten hatten: Agustin Arroyo (Ekuador),
Jean-Claude Ganga (Kongo), Ahmed Abdel Gadir (Sudan), Lamine Keita
(Mali), Sergio Santander (Chile) und Seiuli Paul Wallwork (Samoa).
IOC Mitglied David Sibandze, aus Swasiland, tritt
zurück. |
27.01.1999 |
Gouverneur Leavitt
weist jegliche Verantwortung von sich, obwohl er seit 1993,
nichtstimmberechtigtes Mitglied des Bewerbungskomitees,
war. |
31.01.1999 |
Die erfolgten
Geldzahlungen und Geschenke übersteigen die Summe von
$1.000.000. |
09.02.1999 |
Die SLOC
Ethikkomission weist Welch und Johnson die Schuld für den Skandal
zu. Diese hätten im unethischer Art und Weise für die Stimmgewinnung
geworben, sieht jedoch keine kriminelle Handlung in den
Geldgeschenken und Gefälligkeiten. Olympiasponsor John Hancock
Insurances droht dem SLOC, seinen $20 Mill. Werbevertrag zu
kündigen. |
11.02.1999 |
Mitt Romney wird
neuer SLOC-Präsident. Am gleichen Tag treten Verl Topham, Alan
Layton und Earl Holding, Direktoren des SLOC, zurück. Am nächsten
Tag folgt ihnen Nick Badami. |
12.03.1999 |
Welch gibt bekannt,
dass Gouverneur Leavitt darüber informiert war, dass Kinder von IOC
Mitgliedern, finanzielle Unterstützung vom Bewerbungskomitee
erhielten, sogar in der Vermittlung von Stipendien von Schulen in
Utah, beteiligt war. Leavitt weist die Beschuldigungen zurück. |
17.03.1999 |
Zum ersten Mal in
der Geschichte des IOC, werden sechs Mitglieder aus dem IOC
ausgeschlossen. |
19.03.1999 |
Das
Pharmaunternehmen Johnson & Johnson zieht sich wegen dem
Skandal, aus ihrem $30. Mill. Sponsorenvertrag zurück. |
03.08.1999 |
SLC Geschäftsmann
David Simmons plädiert "schuldig" in seinem
Steuerhinterziehungsprozess, wo er zugibt, in seiner Steuererklärung
fälschlicherweise mindestens $78.000 angegeben zu haben, die über
die Konten des Bewerbungskomitees gelaufen waren. Hiermit wurde u.a.
der Sohn vom IOC Vizepräsidenten, Un Yong Kim, John Kim, für dessen
Arbeit bei der früheren Firma von Simmons, Keystone Communication,
entlohnt. |
01.09.1999 |
Die Bundesbehörden
klagen John Kim, wegen Falschaussage und der illegalen Einreise in
die USA, mittels eines illegal erworbenen Visa, an. Ein Sprecher von
Kim benennt Utahsenator Orrin Hatch als die Person, die Kim beim
Erwerb des Visa geholfen hat. Hatch gibt an, dass ihm diese
Hilfestellung unbekannt wäre. |
13.01.2000 |
Das SLOC entscheidet
sein Rechtsvertretung nicht zu feuern, obwohl diese Unterlagen
vernichtet und von wichtigen Entscheidungen keine Aufzeichnungen
gemacht haben. |
23.01.2000 |
Senatspräsident von
Utah, Lane Beattie, offenbart, dass die SLOC Führer, die
Republikanischen Führer der Legislative, bereits ein Jahr vor dem
Bekanntwerden des Skandals über Stipendien und andere finanzielle
Zuwendungen informiert hatten. Einige Tage später revidiert Beattie
sich selbst, er hätte lediglich ein fehlerhaftes Gedächtnis
gehabt. |
30.01.2000 |
Australiens IOC
Mitglied Kevan Gosper wird beschuldigt, Reisevergünstigungen im
erheblichen Umfang, vom Bewerbungskomitee empfangen zu haben. Gosper
wird später von der IOC Ethikausschuss, nach einer "Verwarnung",
entlastet. |
14.03.2000 |
Alfredo La Mont,
ehemaliger Direktor für internationale Beziehungen des USOC,
plädiert "schuldig" in seinem Steuerhinterziehungsprozess. U.a.
hatte La Mont eine Scheinfirma gegründet, um einen "Beratervertrag"
für das Bewerbungskomitee verschleiern zu können. |
26.05.2000 |
Das SLOC wird vom
US-Justizministerium darüber informiert, dass es nicht angeklagt
wird. Das SLOC veröffentlicht das sog. "Gelddokument". Dies
beinhaltet einige persönliche Vorlieben und Abneigungen von IOC
Mitgliedern. |
06.07.2000 |
Welch und Johnson
weisen eine Schuldanerkenntnis gegen Strafminderung ab. Trotz
Drängen von SLOC Präsident Romney und Senator Orrin Hatch, zum Wohle
der Spiele, ein Geständnis abzulegen, verweigern sie ein
Entgegenkommen. |
20.07.2000 |
Welch und Johnson
werden in fünfzehn Punkten angeklagt, u.a. wegen Betrug, Bestechung
und organisierter Erpressung. |
02.01.2001 |
Der Termin für die
Verhandlung über Welch und Johnson wird für den 01. Juni 2001
angesetzt. |
22.07.2001 |
Richter David Sam weist 4 Anklagepunkte (organisierte
Erpressung) mit der Begründung ab, diese könnten vom
US-Justizministerium nur durch eine falsche Auslegung der Gesetze des
Bundesstaates Utah, gegen Bestechung, erhoben werden. |
30.07.2001 |
Richter Sam verschiebt die Anklageerhebung auf
unbestimmte Zeit. |
15.11.2001 |
Richter Sam weist sämtliche Anklagepunkte des
US-Justizministeriums aus formalrechtlichen Gründen zurück, da durch die Zurückweisung des
organisierten Erpressungsvorwurfes, die restlichen 11 Anklagepunkte
als Konsequenz nicht erhoben werden können. Das US-Justizministerium
erwägt einen Widerspruch, welches den Fall auf anderer Ebene erneut
eröffnen würde. |
15.11.2001 |
Ex-Ehefrau von Tom Welch, Alma Welch, gibt bekannt,
sie bereit wäre für die Anklage über “unmoralische und illegale“ Taten
auszusagen. |
23.01.2002 |
Das US-Justizministerium legt Berufung ein, da Richter Sam
falsche Entscheidungen getroffen hätte.
Die USA hätten ein Interesse daran zu zeigen, "dass Korruption im
Wettbewerb um die Austragung der Olympischen Spiele nicht toleriert
wird." Welch und Johnson hätten mit ihrem Verhalten dem Prestige der
amerikanischen Nation geschadet.. |
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Als noch alle wohl war
in Zion: Ex-Bürgermeisterin von Salt Lake City, Deedee Corradine,
übernimmt bei der Abschlussfeier von Nagano, der Olympiade von 1998,
die olympische Fahne |
Tom Welch,
Ex-Präsident des Bewerbungskomitees zur Ausrichtung der Winterspiele
2002 und erster Präsident des Olympischen
Organisationskomitees von Salt Lake City |
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